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Schattenlicht

Teil 1

In einer gut verschlossenen Holzkiste fand ich seine von ihm niedergeschriebene Lebensgeschichte.

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287 Seiten

eine wahre Lebensgeschichte

Die Geschichten über die nostalgischen 20er Jahre, über die ich mir eigentlich nie Gedanken gemacht hatte, begeisterten mich.

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Deutsche Zeitgeschichte

Kindheit und Lehrjahre

Ich tauchte ein in die Armut der Nachkriegszeit, aber auch in eine Zeit, in der ideelle Werte die oberste Priorität hatten.

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287

Seiten

31

Kapitel

Beispiele aus dem Buch

Im Jahr 2001 entrümpelte ich nach vielen Jahren den Dachboden im Haus meines verstorbenen Vaters. In einer gut verschlossenen Holzkiste fand ich seine von ihm niedergeschriebene Lebensgeschichte. Ich setzte mich hin und begann zu lesen. Die Geschichten über die nostalgischen 20er Jahre, über die ich mir eigentlich nie Gedanken gemacht hatte, begeisterten mich. Ich tauchte ein in die Armut der Nachkriegszeit, aber auch in eine Zeit, in der ideelle Werte die oberste Priorität hatten.
Mit diesen Geschichten stelle ich Ihnen ein Stück deutsche Zeitgeschichte vor.

Einleitung

Die Masse des Volkes war arm, sogar bettelarm an materiellen Dingen, dafür aber reich an ideellen Werten. Die Not schweißte die Familie zusammen zu einem Hort der Geborgenheit. Moral, Charakter und persönliche Entfaltung dominierten vor Egoismus. Der Gemeinschaftsgeist war so ausgeprägt, dass das gesamte Dorf etwas beisteuerte, wenn eine Familie in Not geriet. Brannte zum Beispiel ein Bauernhaus nieder, sammelten die Nachbarn nicht nur im eigenen Ort, sondern in allen umliegenden Dörfern Lebensmittel und Futtervorräte für die Geschädigten. Es war ein ungeschriebenes Gesetz, dass jede Familie tagelange Frondienste leistete, um das abgebrannte Gebäude wieder aufzubauen. Wenn eine altersschwache Kate abbrannte, lästerten Spötter oft: Die ist nicht ab-, sondern aufgebrannt!

Nur der Gemeinschaftsgeist hielt ein Dorf zusammen, es war autark. Es verwaltete sich selbst, somit kamen auch keine dirigistischen Einflüsse von außen. Die Familie war eine gesunde Zelle, das Dorf ein gesunder Zellhaufen im Staat. Diese Gesellschaftsform hatte alle Krisenzeiten in Jahrhunderten überstanden.
Der Versailler Vertrag und das Versagen der Weimarer Republik führten zu einem Chaos. Aus diesem Substrat entstand die nationalsozialistische Bewegung. Hunger, Not und Verzweiflung gaben dem Millionenheer von Arbeitslosen keine Zukunft. Die arbeitswillige Jugend klammerte sich an jeden Strohhalm, selbst wenn es nur leere Versprechungen politischer Kräfte waren. Unbeschreiblich war die Not in den Industriestädten. Mir läuft es heute noch kalt über den Rücken, wenn ich an die blassen, ausgehungerten Kinder des Ruhrgebiets denke.

Meine Aversion gegen skrupellose Macht hat mir das Leben immer schwer gemacht. Damit eckte ich an allen Enden an. Sobald ich einem Potentaten den Spiegel vor das Gesicht halte, habe ich ihn zum Todfeind. Dies ist der „rote Faden“, der sich durch alle Teile dieser Erzählung zieht. Ich bin auch rücksichtslos gegen mich. Meine Aufzeichnungen stellen keine Autobiographie im engeren Sinne dar. Die persönlichen Erlebnisse geben nur den Rahmen, der durch den zeitlichen Ablauf geordnet ist. Ich möchte einfach nur erzählen, wobei die einzelnen unbehauenen Typen die Würze in den Geschichten geben. Gerade weil wir uns von der Natur so weit entfernt haben, flechte ich immer wieder biologische Vergleiche ein. Ich will auch nicht belehren, sondern nur all denen Mut und Hoffnung machen, die im Wellental des Lebens der Verzweiflung nahe sind.

Kindheit, Land und Dorf

Demjenigen, der im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts das Licht der Welt erblickte, standen turbulente Zeiten bevor. Wer von dieser meiner Generation in Ehren alt wurde, muss seinem Schöpfer danken. In Ehren alt zu, werden heißt in einer Zeit der regierenden Massenbewegung und des Mordens, sein Gewissen nicht belasten, seine eigene Persönlichkeit bewahren und zwischen Gut und Böse unterscheiden. Dafür sind und waren Askese, Selbstbeherrschung und Ehrfurcht vor der Kreatur die Grundlagen. Diese Grundelemente ethischer Begriffe konnten sich nur in einem Elternhaus entwickeln, in dem neben Geborgenheit auch Moral und einfache Frömmigkeit den Alltag prägten. Ich hatte das große Glück, in einem bäuerlichen Elternhaus aufzuwachsen, wo in harter Arbeit der kargen Scholle die Früchte der Erde abgerungen wurden. Die Freizeit bestand aus Gebet und Meditation. Meine Eltern waren nicht Erzieher, sie waren Vorbilder. Wenn man ein Jahr nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg in armselige Verhältnisse hineingeboren wurde, stand einem keine goldene Zukunft bevor.

Deutschland, mein Vaterland, lag siechend darnieder. Die Grenzen waren mit dem Blut der Soldaten getränkt. Wenn bei uns in der schwäbisch-bayerischen Hochebene der milde Westwind wehte, brachte er noch den Geruch verwesender Soldatenleiber aus Frankreich mit.

Diese Hochebene ist ein raues Land. Im Süden halten die Allgäuer Alpen die milden Südwinde ab; nur hin und wieder dringt der warme Föhn über die hohen Bergketten. Dann wechselt eisiger Frost über Nacht mit milder Luft aus dem Süden. Hart und rau ist nicht nur unser Klima; rau und herzlich ist auch dieser keltische Menschenschlag.

Lehrjahre, Der Hof

Ein ungeschriebenes Gesetz: Der erstgeborene Sohn wird Hoferbe. Das war mein Bruder Martin. Er blieb daheim. Soweit es die Zeit erlaubte, half er beim Fronenbauer oder in einem Baugeschäft. Zusammen mit meiner Mutter modernisierte und kultivierte er und schaffte neue Maschinen an. Der Hof war auf dem neuesten Stand. Meine Schwester, Jahrgang 1912, war schon im Dienst und enorm tüchtig – wie konnte es anders sein bei dieser Mutter! An Lichtmess Anfang Februar war Schlenkerstag, der Tag, an dem die Dienstboten ihren Platz wechselten. Stolze Bäuerinnen, die meine Mutter üblicherweise nicht beachteten, buhlten jetzt um ihre Gunst und um meine Schwester. Kinder aus tüchtigen Familien waren begehrt, Nachwuchs aus verkommenen Verhältnissen wollte niemand haben.

Ab Weihnachten begann die Werbung um Dienstboten. Es verging kaum eine Woche, in der nicht eine Bäuerin bei meiner Mutter vorsprach. Ebenso wie die Dienstboten beleumundet waren, wurden auch die Bauern kritisch beurteilt. Hatte einer einen großen Wechsel, musste er schon viele Vergünstigungen und mehr Lohn zusichern. Meine Schwester blieb jahrelang am gleichen Platz. Neben einigen Kleidern und Schuhen betrug der Jahreslohn etwa 300Mark. Wer da 20 oder 30 Mark mehr bot, lockte mit einem wirklich verführerischen Angebot. In dieser Beziehung war meine Mutter wieder sehr vernünftig. Sie beeinflusste Hedwig nicht. „Du musst dort immerhin ein Jahr aushalten“, gab sie zu bedenken.

Man musste die Situation der Dienstboten kennen. Es waren perfekte Sklaven mit einer Arbeitszeit von früh bis spät. Lediglich am Sonntag hatten sie den Nachmittag frei, aber keinen Urlaub. Dagegen genossen die Kinder der Bauern ihre Freizeit reichlich. Einmal machte Hedwig mit ihrem zukünftigen Mann eine Radtour in das 75 Kilometer entfernte Kempten. Der Bauer genehmigte ihr nur den Sonntag, montags musste sie wieder zur Stallarbeit um 5 Uhr morgens eintreffen. Nachts um 3 Uhr kehrte sie zurück, um den unerbittlichen Termin einzuhalten. Wenn im Winter bei unwirtlichen Verhältnissen die Bauernkinder gelangweilt in ihren warmen Stuben saßen, schickte man Knechte und Mägde ins Holz. Daran sind der große Standesdünkel und das unüberbrückbare soziale Gefälle zu sehen. Meine Mutter hatte eine Schwäche für Reichtum, Besitz und große Bauernhöfe. Wahrscheinlich ein unerfüllter Wunschtraum.

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    - Die Masse des Volkes war arm, sogar bettelarm an materiellen Dingen [...]
  • Kindheit, Land und Dorf

    - Demjenigen, der im 2. Jahrzehnt des 20. Jhd. das Licht der Welt erblickte, standen turbulente Zeiten bevor. [...]
  • Lehrjahre, Der Hof

    - Ein ungeschriebenes Gesetz: Der Erstgeborene wird Hoferbe [...]

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Kindheit und Lehrjahr im Deutschland des vorherigen Jahrtausends.

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Kapitelübersichten

Auch im lichten Laubwald spielt die Natur mit der Intensität des Lichts. Die Baumkronen schlucken die sengende Glut der Sonne, lassen aber doch genügend Energie für das pulsierende Leben der Bodenflora. Unter einem Blätterdach findet man nur die zarten Farben von Lichtblau, Rosa und Pastellgrün. In dieser Lebensgemeinschaft ist kein Platz für schreiende Farben, kein Standort für mastige Kräuter. Auf dem kargen Boden geht es nur ums nackte Überleben.

Land und Dorf

Demjenigen, der im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts das Licht der Welt erblickte, standen turbulente Zeiten bevor.

Der erste Rausch

Dank meiner gestrengen Mutter konnte ich mir nichts erlauben. Die geringste Reklamation vonseiten der Lehrerin hätte mir auch zu Hause eine harte Strafe eingebracht.

Pfarrer Mack

Je mehr ich den Mesner hasste, umso abgöttischer verehrte ich den Pfarrer. Ich bot mich bei seinen Schwestern, die ihm den Haushalt führten, an, Botendienste zu machen, im Obstgarten die Bäume zu schneiden, den Gemüsegarten zu jäten usw.

Die Familie

Wie Zellen ordneten sich die 150 Gehöfte in die Lebensgemeinschaft Dorf ein. Jede Familie hatte ihre eigene Geschichte, ihr eigenes Innenleben, ihr eigenes Gepräge, ihren eigenen Hausnamen.

Das schwarze Schaf

Im Gegensatz zu meinen ordnungsliebenden Geschwistern brachte ich durch meine angeborene Schlamperei immer wieder meiner Mutter Ärger und mir selbst Prügel ein.

Erste naturwissenschaftliche Studien

Achtlos stellte ich eines Tages ein Einmachglas mit blankem Teichwasser und einigen Binsenstängeln auf das Fensterbrett meines Schlafzimmers.

Die Mailingers

Am meisten Verständnis fand ich noch bei meinem gleichaltrigen Freund Josef Mailinger. Josef war ein feinfühliger Kamerad, der sich nie in eine Schlägerei oder einen Streit verwickelte;

Mariebäs

Zwischen meinem Vater und dem Nachbarn lagen Welten. Mein Vater war durch eine Gasvergiftung im Weltkrieg gezeichnet, keine robuste Bauernnatur, sondern sanftmütig und sensibel.

Familie Stapf

Selbst die Ärmsten der Landbevölkerung, die selbst keinen Quadratmeter Land ihr Eigen nennen konnten, ließ Mutter Erde nicht verhungern.

Lehrjahre

Der zweite Teil des Romans enthält folgende Kapitel

Der Hof
Frühstart ins Berufsleben
Daheim und doch fremd
Wieder in Kempten
Die Firma Heiler

Lehrjahre

Der zweite Teil des Romans enthält folgende Kapitel

Die Firma Heiler
Ausbruch der braunen Zeit
Eine Klettertour
Gottlieb

Lehrjahre

Der zweite Teil des Romans enthält folgende Kapitel

Die Geschichte der Müller-Brüder
Ein Dorf fällt um
Neuorientierung
Schönemann in Fellbach

Lehrjahre

Der zweite Teil des Romans enthält folgende Kapitel

Chemie!
Judensterne
Kristallnacht

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“Schattenlicht, Teil 1″ können Sie aus vielen Quellen beziehen. Welche ist die richtige für Sie? Sie können den Roman auch bei Ihrem lokalen Buchhändler kaufen, verwenden Sie dazu die ISBN 978-3981704204.

Der Autor

facebook-og-bildMartin Bühler wurde am 01.11.1973 in der kleinen schwäbischen Stadt Krumbach geboren.

Nach seiner Schulzeit studierte er Aquakultur und arbeitete mehrere Jahre in Italien und Spanien. Seit dem Jahr 2001 lebt er an der westlichen Küste Nordfrieslands,zwischen der Hafenstadt Husum und der Insel Sylt.

Im Jahr 2011 fing er erstmals an, offen über das Thema Samenspende und Kinderwunscherfüllung zu sprechen und zu schreiben. 2012 schrieb Martin Bühler sein erstes Werk”Der Samenspender Martin1973″, anfangs als Selbstverleger, später über den Miller Verlag. Danach folgten Ratgeber zur Kinderwunschthematik wie “Schwanger ohne Sex” und “Familienglück durch private Samenspende”.

Zum Thema Kinderwunsch durch Samenspende entstanden zahlreiche Beiträge, u. a. bei Stern TV (RTL), Mona Lisa (ZDF) und Planetopia (SAT1). Danach erfolgten Berichterstattungen des Axel Springer Verlages, u. a. in Bild der Frau und Bild.de.

Seine Begeisterung, bestehende Tabus in unserer Gesellschaft anzusprechen und öffentlich zu diskutieren, wuchs von Tag zu Tag. Mit seiner provozierenden Art öffentliche Diskussionen anzuregen, gefällt ihm und wurde zur Passion. Die Themen sind mittlerweile umfangreich und vielschichtig.

Sein Motto ist: Das Leben schreibt die interessantesten Geschichten.

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